Hunderudel ist nicht mehr da
Auf dem Brunnengrat ob Langnau ist Ruhe eingekehrt. So berichtet Priska Blaser, die hier gemeinsam mit ihrer Familie und ihrer Mutter ein Heimet bewirtschaftet: Mitte Woche sind Polizei und Tierheim bei den zwei Nachbarinnen vorgefahren und haben sieben ihrer acht Hunde mitgenommen. Wenn Priska Blaser erleichtert ist, dann nicht in erster Linie daher, weil nun im kleinen Haus nebenan mit seinem weit ausladenden Dach das Bellen verstummt ist. Sie denkt vielmehr daran, dass die Meute immer wieder zu acht ausgebüxt ist, an Ostermontag etwa, als die Hunde plötzlich «in unserer Scheune Radau machten». Und daran, wie sie zwei Wochen später erneut auftauchten und ein Huhn ihrer Mutter malträtierten – es war der Punkt, an dem sie an die Öffentlichkeit trat, schliesslich wisse niemand, ob das Rudel nicht irgendwann noch grösseren Schaden anrichte. Ob die Behörden, von denen Priska Blaser schon vor Wochen ein entschiedenes Handeln verlangt hat, diese Ängste mittlerweile auch teilen?
Gut genährt und sauber
Kantonstierarzt Christian Huggler gibt darauf keine direkte Antwort, weil gegen die zwei Frauen mittlerweile ein Verfahren laufe und er deshalb an die Schweigepflicht gebunden sei. Immerhin so viel gibt er zu Protokoll: Beim Entscheid, jemandem Tiere wegzunehmen, könne «das Sicherheitsbedürfnis der Nachbarn» durchaus eine Rolle spielen, ihre Befürchtung etwa, dass nach dem Huhn plötzlich ein Kind attackiert werden könnte. Offen bleibt dagegen, aus welchen Gründen genau der Kanton sieben der acht Hunde weggebracht hat und ob es dauerhaft dabei bleibt. Vor Monatsfrist, als noch kein Verfahren lief und er daher freier reden konnte, wies Huggler in diesem Zusammenhang auf die schwere Hör- und Sprechbehinderung der beiden Frauen hin. Er tönte an, dass es unter diesen Voraussetzungen «sicher problematisch» sei, so viele Tiere zu halten – jetzt stellt er noch so viel klar: Die Hunde seien beim Abtransport ins Tierheim Emmental in einem sauberen und gut genährten Zustand gewesen.
Grosse Erfahrung gefragt
Margrith Dummermuth, die das Heim in den Hügeln bei Rüegsau gemeinsam mit ihrem Mann Ernst führt, bestätigt dies. Trotzdem redet sie von «schwierigen Tieren». Die Hunde seien den Umgang mit sprechenden Menschen nicht gewohnt und zögen sich sofort zurück, wenn jemand rede. «Sie empfinden Stimmen als Bedrohung», blickt sie auf die zwei ersten Tage mit ihren neuen Pfleglingen zurück. «Um Vertrauen zu schaffen, füttern wir sie mit der Hand.» Für den Fall, dass die Tiere dereinst platziert werden müssen, steht für sie bereits fest: «Als Halter kämen nur Leute in Frage, die grosse Erfahrung mit Hunden haben.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.06.2009, 14:04 Uhr